Die Ausgangssituation war typisch für viele größere Wohnräume: eine zu lange Nachhallzeit, störende frühe Reflexionen und eine ausgeprägte Raummode im Bassbereich beeinflussten die Stereowiedergabe deutlich.
Durch die Kombination aus optimierter Lautsprecheraufstellung, passiven Akustikmaßnahmen, REW-Messungen, einem Accuphase DG-78 Digital Voicing Equalizer und zwei PSI Audio AVAA C214 Bassabsorbern konnte die Wiedergabe Schritt für Schritt verbessert werden.
Das Setup
Im Mittelpunkt des Systems steht eine hochwertige Accuphase-Anlage mit einer KEF Blade 2 als Lautsprecher.
• Accuphase C-3900S Vorverstärker • 2 × Accuphase A-250 Class-A-Mono-Endverstärker • Accuphase DP-770 SACD/CD-Player • Accuphase DG-78 Digital Voicing Equalizer • Cocktail Audio Netzwerkstreamer • Transrotor Classic Gold • Accuphase T-1100 UKW-Stereo-Tuner • KEF Blade 2
Für den Surroundbetrieb stehen zusätzlich eine Yamaha-Vorstufe, ein KEF Reference 4 Meta Center, zwei KEF LS50 Meta als Rear-Lautsprecher, eine Accuphase PX-600 Sechskanal-Endstufe, ein Blu-ray-Player und ein Subwoofer zur Verfügung.
Der Schwerpunkt des Kunden liegt jedoch eindeutig auf der hochwertigen Stereo-Musikwiedergabe.
Die Ausgangssituation: Zu lange Nachhallzeit und Bassprobleme
Hochwertige Elektronik – aber der Raum spielt mit
Bei meinem ersten Besuch wurde zunächst die Raumakustik analysiert. Dabei zeigte sich schnell, dass nicht die Elektronik oder die Lautsprecher das Problem waren, sondern vor allem der Raum. Die Nachhallzeit war mit über 0,7 Sekunden für die gewünschte Musikwiedergabe deutlich zu lang. Hinzu kamen frühe Reflexionen von den Seiten und ein Hörplatz, der zu weit von den Lautsprechern entfernt war.
Der Raum selbst ist rund sieben Meter lang und an der Stereobasis knapp fünf Meter breit. Zum Hörplatz wird er etwas schmaler, bevor er sich im hinteren Essbereich wieder verbreitert. Gerade diese Geometrie sorgt für eine ausgeprägte Raummode um 50 Hz, die sich durch einen deutlich zu kräftigen und teilweise dröhnenden Bass bemerkbar machte.
Lautsprecheraufstellung und Hörplatz optimieren
Bevor elektronische Korrekturen eingesetzt wurden, wurden zunächst die Lautsprecher und der Hörplatz an die Raumgegebenheiten angepasst.
Hierfür wurden verschiedene Positionen mit REW (Room EQ Wizard) messtechnisch überprüft. Die Ergebnisse wurden anschließend auch nach Gehör vom Kunden bewertet. Dieser Schritt ist bei der Optimierung eines HiFi-Hörraums besonders wichtig: Eine elektronische Korrektur sollte nicht dazu verwendet werden, grundsätzliche Probleme bei der Aufstellung oder Raumakustik auszugleichen. Erst wenn Lautsprecher und Hörplatz sinnvoll positioniert sind, können weitere akustische und elektronische Maßnahmen ihr volles Potenzial entfalten.
Diese Vorgehensweise war bewusst gewählt: Erst die akustischen und geometrischen Voraussetzungen optimieren, danach elektronisch korrigieren.
Die Raumakustik
Weniger Nachhall, weniger Reflexionen
Im nächsten Schritt wurde eine Akustikplanung erstellt, die sowohl die Erstreflexionen als auch die Nachhallzeit berücksichtigt. An der Decke wurden rund 15 m² Absorber mit einer Dicke von 10 cm montiert. Die seitlichen Erstreflexionen werden durch mobile Absorber von Sonitus bedämpft. Diese werden nur zum Musikhören oder Filmschauen aufgestellt und können anschließend wieder aus dem Wohnbereich entfernt werden. Die Deckenabsorber werden noch mit Akustikstoff verkleidet.
Das Ergebnis der ersten Maßnahmen war bereits deutlich hörbar. Die Nachhallzeit im Mittel- und Hochton konnte von über 0,7 Sekunden auf rund 0,43 Sekunden reduziert werden. Für die Raumgröße und die gewünschte Stereowiedergabe ist das ein sehr guter Wert.
Der Bass bleibt eine Herausforderung
Während sich Mittel- und Hochton mit klassischen Absorbern sehr gut beeinflussen lassen, sieht es im Bassbereich anders aus. Die problematische Raummode um 50 Hz lässt sich mit den eingesetzten Absorbern nicht wirkungsvoll behandeln. Ein entsprechend großer Bassabsorber mit einer Bautiefe von etwa 40 bis 60 cm ließ sich im Wohnzimmer jedoch nicht realisieren. Deshalb wurde nach einer Alternative gesucht.
Accuphase DG-78
Elektronische Korrektur mit Augenmaß
Schon im Vorfeld hatte sich S. für den Accuphase DG-78 Digital Voicing Equalizer interessiert. Der DG-78 bietet zahlreiche Möglichkeiten, den Frequenzgang an die akustischen Gegebenheiten des Raumes anzupassen. Wichtig ist dabei jedoch, einen EQ nicht als Ersatz für eine gute Raumakustik zu betrachten. Denn ein Equalizer verändert in erster Linie den Direktschall des Lautsprechers. Reflexionen und Nachhall des Raumes bleiben davon weitgehend unberührt. Entsprechend sparsam sollte ein EQ eingesetzt werden. Die automatische Einmessung des DG-78 brachte dennoch eine weitere Verbesserung, insbesondere im Bassbereich.
Feinabstimmung mit REW
Bei meinem zweiten Besuch im September wurden zunächst die bereits durchgeführten Raumakustikmaßnahmen überprüft. Anschließend wurden die Einstellungen des DG-78 mithilfe erneuter REW-Messungen (Room EQ Wizard) optimiert. Einige Filter wurden angepasst, andere deaktiviert. Insbesondere Filter, die nur eine geringe Verbesserung brachten oder den Amplitudengang unnötig anhoben, wurden entfernt.
Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf einer möglichst guten Links-/Rechts-Balance. Der direkte Vergleich zeigte bereits eine deutliche Verbesserung. Der DG-78 ermöglicht es, zwischen verschiedenen Filterbänken umzuschalten. So konnte die automatische Einmessung direkt mit der optimierten REW-Einstellung verglichen werden. Das Ergebnis war für S. nochmals deutlich hörbar und beeindruckte ihn ähnlich stark wie bereits die zuvor durchgeführten Maßnahmen an der Raumakustik.
Zwei PSI Audio AVAA C214
Die Lösung für den problematischen Bass
Im letzten Schritt wurden zwei PSI Audio AVAA C214 aktive Bassabsorber eingesetzt. Der große Vorteil dieser Lösung: Die AVAA greifen nicht direkt in den Amplitudengang des Lautsprechers ein, sondern wirken auf die akustische Energie im Raum. Damit lässt sich die problematische Raummode gezielt behandeln, ohne den Lautsprecher selbst elektronisch stark korrigieren zu müssen. Die Messungen zeigten ein sehr gutes Ergebnis: Die ausgeprägte Raummode bei 50 Hz konnte breitbandig um bis zu 11 dB reduziert werden. Eine Auslöschung bei 80 Hz konnte um rund 15 dB aufgefüllt werden. Dadurch konnten die Korrekturen des DG-78 im Bassbereich deutlich reduziert werden.
Das Ergebnis
Der Raum tritt in den Hintergrund
Nach den einzelnen Optimierungsschritten zeigt sich deutlich, wie stark die Raumakustik die Wiedergabe einer hochwertigen HiFi-Anlage beeinflussen kann. Die Kombination aus Aufstellungsoptimierung, passiver Raumakustik, REW-Messungen, elektronischer Korrektur und aktiver Bassabsorption führte zu einer wesentlich ausgeglicheneren Wiedergabe. Der Klang wurde insgesamt natürlicher und entspannter. Durch das Auffüllen des Amplitudengangs wurde zudem Bass hörbar, der zuvor durch die Auslöschungen im Raum weitgehend verborgen blieb. Besonders wichtig war dabei, dass nicht einfach möglichst viel „korrigiert“ wurde. Die einzelnen Maßnahmen wurden Schritt für Schritt durchgeführt und immer wieder messtechnisch und nach Gehör überprüft.
Zwei Setups – direkt vergleichbar
Für die AVAA C214 wurde im Accuphase DG-78 ein eigenes Preset angelegt.
Damit kann S. jederzeit zwischen den verschiedenen Einstellungen wechseln und direkt vergleichen: DG-78 ohne AVAA vs. DG-78 mit AVAA. So bleibt die Entscheidung letztlich dem Hörer überlassen.
Fazit: Raumakustik als Grundlage für guten HiFi-Klang
Eine hochwertige Anlage kann ihr Potenzial nur dann ausspielen, wenn auch der Raum mitspielt.
Dieses Projekt zeigt sehr deutlich, welchen Einfluss ein Hörraum auf die Wiedergabe einer hochwertigen HiFi-Anlage haben kann. Die Lösung bestand nicht aus einer einzelnen Maßnahme. Erst das Zusammenspiel aus Aufstellungsoptimierung, passiver Raumakustik, REW-Messungen, elektronischer Korrektur mit dem Accuphase DG-78 und aktiver Bassabsorption mit PSI Audio AVAA C214 führte zum gewünschten Ergebnis.
Dabei wurde bewusst Schritt für Schritt vorgegangen: messen, verändern, erneut messen und anschließend nach Gehör überprüfen. Das Ziel war nicht, möglichst viele Filter einzusetzen, sondern den Raum zunächst akustisch zu optimieren und die Elektronik anschließend nur noch dort einzusetzen, wo sie tatsächlich einen Vorteil bringt. Das Ergebnis hat den Kunden und seine HiFi-Freunde überzeugt: Die Elektronik und die Lautsprecher bestimmen wieder den Klang – und nicht mehr der Raum.
Was bringt eine Optimierung der Raumakustik bei einer HiFi-Anlage?
Eine gezielte Optimierung reduziert störende Reflexionen und Nachhall, verbessert die räumliche Abbildung und kann problematische Raummoden im Bass reduzieren.
Was ist REW?
REW (Room EQ Wizard) ist eine Software zur Messung und Analyse der Raumakustik und des Frequenzgangs einer HiFi-Anlage.
Was macht ein Accuphase DG-78?
Der Accuphase DG-78 Digital Voicing Equalizer ermöglicht eine gezielte elektronische Anpassung des Frequenzgangs und kann damit die Wiedergabe an die akustischen Gegebenheiten eines Hörraums anpassen.
Was machen PSI Audio AVAA C214?
Die AVAA C214 sind aktive Bassabsorber, die gezielt auf tieffrequente Raumresonanzen wirken. Sie können damit eine Alternative oder Ergänzung zu sehr großen passiven Bassabsorbern darstellen.